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ERNST PFIFFNER: ORGELWERKE
ERNST PFIFFNER: ORGELWERKE
CHRISTIAN SCHMITT AN DER METZLER-ORGEL ZOFINGEN

ORGAN CD 72862

Ernst Pfiffner (1922-2011) war als Leiter der Akademie für Schul- und Kirchenmusik Luzern, Redaktor der Zeitschrift „Katholische Kirchenmusik“, Musiklehrer, Kirchenmusiker, Organist und Komponist eine der grossen und prägenden Figuren der Schweizer Kirchenmusikszene des 20. Jahrhunderts.

Christian Schmitt, international versierter Konzertorganist und Orgelprofessor – unter anderem massgeblich beteiligt an der Konzeption der neuen Tonhalle-Orgel in Zürich – legt mit dieser CD, aufgenommen an der grossen mechanischen Metzler-Orgel der Stadtkirche Zofingen ein repräsentables Portrait des Schweizer Komponisten vor, dessen Musik in den letzten Jahrzehnten in den Hintergrund getreten ist.

Ernst ist sie, diese Musik. Ernst, aufrichtig und schonungslos ehrlich und teilweise trocken kommt sie daher. Pfiffner, der neben seinen intensiven Musikstudien auch anfänglich Theologie und Philosophie studierte, lässt einerseits eine tiefe Gläubigkeit, die aber niemals naiv oder süsslich daherkommt, aufscheinen, andererseits einen ständigen fragenden Zweifel, eine innere Zerissenheit erkennen, die den Hörer beunruhigt und fordert, die alles immer und immer wieder hinterfragt.

Schroffe, kantige, felsige Linien wechseln sich ab mit aufbäumenden, manchmal auch festlichen Ausbrüchen, welche sich sofort wieder abschwächen und hier und da kurze Lichtblicke oder meditative Momente erlauben.

Der Komponist hatte zeitlebens mit zwei „Fronten“ zu kämpfen: der kirchlichen „Basis“, der seine Musik „zu sperrig“ und „zu fremd“ klang, und andererseits der musikalischen Avantgarde, deren Protagonisten Pfiffners Musik nicht „weit genug“ ging, nicht genügend à jour und stellenweise „zu tonal“ vorkam.

Christian Schmitt hat bewusst die schöne grosse Metzler-Orgel in Zofingen gewählt, da sie in ihrer barocken Ästhetik den klaren Linien und frischen Klangfarben Pfiffners geradezu auf den Leib konzipiert ist, andererseits – im Gegensatz zu vielen neobarocken Orgeln der Sechziger Jahre – aber auch wieder romantische Stimmen aufzuweisen hat, die die stillen, ruhigen Momente geniessen und den Hörer „aufatmen“ und „ausruhen“ lassen.

Technisch ist diese Musik für den Organisten höchst fordernd, ihre Erarbeitung kostet Zeit, Engagment und Kraft, Durchhaltevermögen, sowie eine grundsolide Orgeltechnik, die oftmals auch ins Hochvirtuose abdriftet, ohne jedoch vollkommen unerreichbare Herausforderungen zu stellen. Prof. Christian Schmitt weiss diese felsigen und steilen Klippen bestens zu erklimmen, und lässt auch in seiner kreativen und sensiblen Farbwahl keine Wünsche offen.

Fazit: eine herausfordernde und gewiss auch anstrengende Musik für Spieler wie Hörer – jedoch ein grosses Zeugnis Pfiffners grundehrlicher und grundsolider Musik, ein wichtiges Dokument Schweizer Orgelkunst des 20. Jahrhunderts!

Thomas Haubrich, im Dezember 2022

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Veröffentlicht von Thomas Haubrich
Thomas Haubrich, sprengt als Organist und Dirigent gerne Grenzen. Im Im thurgauischen Amriswil als Kirchenmusiker tätig, betreut er vielfach Orgelbauprojekte und gibt Konzerte im In- und Ausland.